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Auf dem Weg zum Stuttgarter „Regenbogenhaus“?

In Stuttgart soll – so zumindest erklärter Wille der Befürwortenden – ein „Regenbogenhaus“ entstehen. Was hat es damit auf sich? Und was ist Sachstand?

In vielen Städten gibt es sie schon und in anderen gibt es – wie auch in Stuttgart – Initiativen für die Gründung sogenannter „Regenbogenhäuser“. Gemeint sind soziokulturelle Zentren für lesbische, schwule, bisexuelle, intersexuelle, transsexuelle, transgender und queere Menschen – im Jargon auch LSBTTIQ-Menschen genannt, deren mittlerweile schon traditionelles Symbol die Fahne mit den Streifen in den Farben des Regenbogens ist.

Vereinfacht gesagt, lautet die These für „Regenbogenhäuser“, dass es spezifische Bedürfnisse nicht-heterosexueller Menschen gibt, die eigene Orte nötig bzw. wünschenswert machen. Diese These ist eingängig, da wir es grundsätzlich als selbstverständlich erachten, dass Menschen bzgl. einer ausgeprägten Präferenz auch eigene Orte bekommen. Wir haben Frauencafés, Frauenbuchläden, Fanclubs von Fußballvereinen, Kirchen, Gemeindehäuser der Religionsgemeinschaften, Jacht- und Tennisclubs oder in Stuttgart bspw. auch ein „Haus der Katholischen Kirche“ und viele vergleichbare spezifische Orte. Es sind Orte mit besonderen Regeln, die aber – in einer freiheitlichen Gesellschaft selbstverständlich – für alle Menschen zugänglich sind. Bei „Regenbogenhäusern“ kommt noch hinzu, dass die vielen – aber doch relativ kleinen – Organisationen der LSBTTIQ-Community auch von Synergien aufgrund der räumlichen Nähe und der gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur profitieren können. Eine gut ausgelastete Infrastruktur ist für die Nutzenden kostengünstiger und kann dann ggf. auch besser ausgestattet vorgehalten werden.

  

  

In Stuttgart gibt es eigentlich schon seit 1995 mit dem Zentrum Weissenburg – seit ein paar Jahren folgerichtig nicht mehr schwul-lesbisches Zentrum, sondern „Weissenburg – Zentrum LSBTTIQ“ genannt – ein soziokulturelles Zentrum für LSBTTIQ-Menschen. In einem Hinterhof gelegen, mit wenig Tageslicht und mit zwei größeren und drei kleineren Räumen, ist „die Weissenburg“ sowohl hinsichtlich Lage – Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Parkplatzsituation, Sichtbarkeit – als auch hinsichtlich der Größe unzureichend für die wachsenden Ansprüche der sich entwickelnden Stuttgarter LSBTTIQ-Organisationen geworden. Entsprechend hat der Weissenburg e.V. im vergangenen Jahr bereits die zweite Außenstelle angemietet, wo eigene Angebote, aber auch Angebote kooperierender LSBTTIQ-Organisationen untergebracht sind.

Die Initiative zur Bündelung dieser Stuttgarter LSBTTIQ-Infrastruktur in einem Stuttgarter „Regenbogenhaus“ ging 2014 von der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. aus. Es bedurfte vieler Gespräche mit Entscheidern der verfassten Stuttgarter LSBTTIQ-Community, um auch diese von der Sinnhaftigkeit einer solchen professionellen Einrichtung zu überzeugen. Schade ist, dass die derzeitigen Hauptakteure beim Projekt Stuttgarter „Regenbogenhaus“ die Rolle der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. als Impulsgeber und Kooperationspartner mittlerweile in der Darstellung der Entwicklung des Projektes unerwähnt lassen. Ärgerlicher ist daran, dass damit nicht nur die historisch korrekte Entwicklung verfälscht, sondern auch das Thema sexuelle Gesundheit bei der Konzeptionierung des „Regenbogenhauses“ nicht mehr wahrnehmbar ist.

Aus Sicht der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V., ist ein „Regenbogenhaus“ für Stuttgart insbesondere nämlich aus fachlicher Sicht – also im Hinblick auf die HIV-Prävention im Speziellen und die sexuelle Gesundheit im Allgemeinen – erstrebenswert. HIV betrifft zwar alle, aber eben in unterschiedlichem Maß! Nach wie vor ist es so, dass der Anteil von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) bei allen sexuell übertragbaren Infektionen (STIs = Sexually Transmitted Infections) bei über 60% der Neudiagnosen liegt. Aus Sicht der AIDS-Hilfe-Arbeit sind entsprechend die Emanzipation, Information und insbesondere die Testung von MSM auf STIs von zentraler Bedeutung. Klar ist, dass AIDS-Hilfe deswegen schon immer niederschwellig und zielgruppenspezifisch in ihren Angeboten war. Attraktiv ist somit für die AIDS-Hilfe-Arbeit ein „Regenbogenhaus“, wo die Hauptzielgruppe MSM der AIDS-Hilfe-Arbeit ohne Stigmatisierung Informations-, Test- und Beratungsangebote zu HIV und anderen STI nutzen kann.

Für die AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. war und ist der Weg zu einem Stuttgarter „Regenbogenhaus“ deswegen auch ein pädagogisches und organisatorisches Projekt der Entwicklung der verfassten Stuttgarter LSBTTIQ-Community. Die AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. teilt die Einschätzung der zuständigen Stuttgarter Sozialplanung aus dem Jahr 2015, dass zwar von der Plausibilität der Notwendigkeit von hauptamtlichen Beratungskapazitäten für LSBTTIQ hier in Stuttgart auszugehen sei, diese auch bei freien Trägern am besten angesiedelt seien, die als Arbeitgeber in Frage kommenden Organisationen aber teilweise – insbesondere der Weissenburg e.V. – zunächst einer Organisationsentwicklung und dann einer hauptamtlichen Verwaltung bedürften. Die Vorstandschaft des Weissenburg e.V. hat dann aber an der Sozialverwaltung vorbei für den Doppelhaushalt 2016/2017 mit einem Antrag direkt an die Gemeinderatsfraktionen aber erste sozialarbeiterischen Fachkraftkapazitäten genehmigt bekommen. Diese wurden dann im Doppelhaushalt 2020/2021 mit der Förderung weiterer Stellenanteile aufgestockt und für den Haushalt 2022/2023 sind bereits weitere Regelförderungen für sozialarbeiterische Stellen beantragt. Dies alles, ohne dass die Organisationsentwicklung erfolgt wäre und weiterhin mit einer rein ehrenamtlichen Verwaltung/Geschäftsleitung. Die Hinweise, dass die Kapazitäten nicht vollumfänglich nachgefragt werden, erscheinen glaubhaft.

  

  

Die Interessen der unterschiedlichen Stuttgarter LSBTTIQ-Organisationen gingen soweit mit der Interessenlage der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. konform, dass die AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. gleich von Anfang an im sogenannten „Arbeitskreis Regenbogenhaus“ mitgearbeitet hat, der sich seit 2015 regelmäßig ca. alle zwei Monate im Zentrum Weissenburg – meist mehrere Stunden an den Wochenenden – getroffen hat. Im „AK Regenbogenhaus“ arbeiteten Vertreter der Organisationen, die auch Mitglieder des Gesamtvorstandes des Weissenburg e.V. sind: neben dem Weissenburg e.V. selbst und natürlich auch der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V., insbesondere bspw. die IG CSD Stuttgart e.V., Abseitz Stuttgart e.V., der Lederclub Stuttgart e.V. und der LSVD Baden-Württemberg e.V. Ziel des Arbeitskreises war, Bedarfe für ein „Regenbogenhaus“ zu sammeln und daraus Anforderungen an Lage, Größe und Ausstattung einer solchen Einrichtung zu ermitteln.

Es zeichnete sich damals schon ab, dass die Professionalisierung der LSBTTIQ-Bewegung mehr und mehr Hauptamtlichkeit nötig machen wird, die natürlich auch nur mit professionellen Arbeitsplätzen möglich ist. Sollten Synergien und Infrastruktur effizient genutzt werden, war es notwendig diese Arbeitsplätze bei der Planung eines „Regenbogenhauses“ mitzudenken. Für die AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. war immer klar, dass kein Umzug ihrer Beratungs- und Geschäftsstelle in das „Regenbogenhaus“ ansteht, sondern im „Regenbogenhaus“ ihre zielgruppenspezifischen Leistungen für LSBTTIQ-Menschen, insbesondere für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), niederschwellig angeboten werden müssen: also weiterhin Präventionsveranstaltungen sowie Beratungs- und Testangebote zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen, aber dies in Form eines „Checkpoints“ mit eigenen Räumen und regelmäßigen Öffnungszeiten.

Einigkeit herrschte im „AK Regenbogenhaus“ auch darüber, dass ein „Regenbogenhaus“ gut sichtbar und erreichbar sein muss. Neben Büros, gemeinsamen Konferenz- und Veranstaltungsräumen, wurden Bedarfe für Betreutes Wohnen für ältere LSBTTIQ- sowie Notübernachtungsplätze für gewaltbedrohte LSBTTIQ-Menschen und auch Gastronomie genannt. Auch organisatorische, rechtliche und finanzielle Fragen wurden bereits erörtert.

Sehr bald war im „AK Regenbogenhaus“ klargeworden, dass die Planung eines „Regenbogenhauses“ letztlich ohne fachliche Unterstützung nicht funktionieren würde. Da mittlerweile auch der „AK LSBTTIQ der Landeshauptstadt Stuttgart“ unter Beteiligung auch der Mitglieder des „AK Regenbogenhauses“ gegründet worden war, wurde das Thema „Regenbogenhaus“ dort eingebracht. 2019 gelang es dann über diesen Weg im Rahmen des Doppelhaushaltes 2020/2021 der Landeshauptstadt Stuttgart, Mittel für eine „Projektstudie Regenbogenhaus Stuttgart“ bewilligt zu bekommen. Für diese Machbarkeitsstudie wurden dankenswerterweise 85.000 EUR im städtischen Haushalt eingestellt.

Bis dahin verlief der Weg zum Stuttgarter „Regenbogenhaus“ geradlinig und zielführend. Schön wäre es dann aber gewesen, wenn die Erarbeitung der Machbarkeitsstudie „Regenbogenhaus“ unabhängig vergeben worden wäre. Aus Sicht der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. war klar, dass ein „Regenbogenhaus“ auch Kritiker und Kritikerinnen haben würde. Umso wichtiger war es, auch nur den Hauch des Verdachtes, dass hier ein Gefälligkeitsergebnis abgeliefert werden würde, zu vermeiden. Statt aber ein unabhängiges einschlägiges Büro für Architektur/Stadtplanung mit der Erstellung der Studie zu beauftragen, wurde von den Antragstellenden beschlossen, eine befristete Stelle zu diesem Zweck zu schaffen – und zwar just beim Weissenburg e.V., der damit als potentieller Träger eines „Regenbogenhauses“ Arbeitgeber der Projektleitung der Machbarkeitsstudie „Regenbogenhaus“ wurde.

Im Juli 2020, als im Stuttgarter CSD-Studio eine Veranstaltung zu den Plänen um das Projekt „Regenbogenhaus“ stattfand, irritierte dann eine Bemerkung von Beatrice Olgun-Lichtenberg von der Abteilung für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern der Landeshauptstadt Stuttgart, die dort nicht nur den Arbeitskreis LSBTTIQ, sondern auch die Koordinierungsstelle Gender/LSBTTIQ leitet, und die die Veranstaltung moderiert hatte, Mitarbeitende der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V., die sich die Veranstaltung vor Ort angeschaut hatten. Aufgrund dieser Bemerkung, hatten die Zuhörenden den Eindruck, dass aus irgendwelchen Gründen bereits zu diesem Zeitpunkt ziemlich klar war, dass Philine Pastenaci, die spätere Projektleiterin „Regenbogenhaus“ Stuttgart, bereits für diese Position im Gespräch war. Veranstalter der Podiumsdiskussion waren die Landeshauptstadt Stuttgart und der Weissenburg e.V., Philine Pastenaci nahm für die Initiativgruppe Homosexualität Stuttgart e.V. teil.

Philine Pastenaci, war damals schon im Vorstand der Initiativgruppe Homosexualität Stuttgart e.V., einem Verein, der seit mehreren Jahren die Fusion mit dem Weissenburg e.V. anstrebt, mit dem er auch stark personell verquickt ist. Darüber hinaus war Philine Pastenaci zu dem Zeitpunkt auch bereits in den Vorstand des Weissenburg e.V. kooptiert, in den sie dann im Oktober 2020 auch gewählt wurde. Philine Pastenaci, geboren 1990 in Berlin, ist Regisseurin, Performerin und Autorin. Sie studierte 2012 bis 2016 Regie an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. Seit 2016 hat sie die Ko-Leitung des Projektes „Polychrom. Kreativ für Akzeptanz und Vielfalt“ der Initiativgruppe Homosexualität Stuttgart e.V., mit dem sie bereits mit unterschiedlichsten Institutionen und Vereinen kooperierte, beispielsweise: Stadt Stuttgart, Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg e.V. und dem Weissenburg e.V. – Zentrum LSBTTIQ.

Als die Stelle der Leitung der Projektstudie „Ein Regenbogenhaus in Stuttgart” dann in der zweiten Juli-Hälfte 2020 als 50%-Stelle, befristet auf ein Jahr, tatsächlich ausgeschrieben wurde, wurde von Joachim Stein, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes des Weissenburg e.V. berichtet, dass die Bewerbendenlage sehr gut gewesen sei. Nach einem schwierigen Auswahlverfahren unter den zahlreichen qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern, sei die Wahl aber eindeutig auf Philine Pastenaci gefallen. Für die Durchführung und Dokumentation des Beteiligungsprozesses und die Erstellung der Machbarkeitsstudie für das „Regenbogenhaus“ wurden allgemein folgende Aufgaben in der Stellenausschreibung definiert: Bedarfsanalyse, Datenerhebung und Informationsbeschaffung; Projektcontrolling, z.B. Material- und Ressourceneinsatzplanung; Erstellung und Pflege der Projektdokumentation; Organisation von Workshops und Beteiligungsverfahren; Erstellen eines Abschlussberichts als Entscheidungsgrundlage, inkl. Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Formale Anforderungen waren in der Ausschreibung eher nicht enthalten: Abgeschlossenes Studium oder vergleichbare Qualifikation; Kenntnisse in der Durchführung von Beteiligungsprozessen und/oder Machbarkeitsstudien; Erfahrungen im Projektmanagement; Moderations- und Präsentationserfahrung; Bereitschaft zu flexiblen Arbeitszeiten. Beobachter hatten zudem nicht den Eindruck, dass die Stellenausschreibung mit großem Nachdruck verbreitet worden ist.

  

  

Nachdem die Projektleitung „Regenbogenhaus“ bereits seit 01.10.2020 besetzt war, gab es dann vom 01.02.2021 bis zum 31.03.2021 eine Online-Umfrage, die bis Ende April 2021 in einem zwölfseitigen „Zwischenbericht“ – mit zahlreichen Schaubildern – mündete. Bis dahin gab es neben der erwähnten Veranstaltung im CSD-Studio ein kurzes Werbevideo zum „Regenbogenhaus“ und eine sehr übersichtlich gehaltenen Homepage, die über www.regenbogenhaus-stuttgart.de aufzurufen ist. Aus den Projektmitteln in Höhe von 85.000 EUR werden darüber hinaus zwei geringfügige Beschäftigungsverhältnisse finanziert: einmal für Maria Flendt, eine ehemalige Mitarbeiterin der Landeshauptstadt Stuttgart und einmal für Joachim Stein, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des Weissenburg e.V. Honoriert wird damit offenbar die Tätigkeit in der sogenannten Steuerungsgruppe des Projektes Stuttgarter „Regenbogenhaus“. Die beiden Stellen können das Budget der 85.000 EUR – geht man von 450 EUR/Monat aus – mit bis zu 10.000 EUR belasten. An der Online-Umfrage nahmen offenbar ca. 750 Einzelpersonen und ca. 60 Organisationen teil. Anhand der Beschreibung der Online-Umfrage kann man schließen, dass sie nicht repräsentativ angelegt war. Die Verbreitung des Links über einschlägige Netzwerke lässt auch den Schluss zu, dass eher Befürworter als Kritiker eines „Regenbogenhauses“ teilgenommen haben werden. Jedenfalls entspricht das Ergebnis von 90% Zustimmung nicht der in den sozialen Medien beobachteten Resonanz – die im Übrigen unmoderiert blieb. Im Anschluss an den Zwischenbericht sollten „Qualitative Interviews“ mit teilnehmenden Einzelpersonen und Organisationen stattfinden; inwieweit diese Interviews stattfanden, war bis Mitte August 2021 nicht kommuniziert. Mit Vertretenden der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. fand allerdings kein Interview statt, obwohl schon im Oktober 2020 von der Projektleitung eine entsprechende Ankündigung erfolgte und die AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. auch Bereitschaft für ein Gespräch signalisierte. Offenbar fanden dann noch in Kooperation mit der Hochschule der Medien zwei „Innovationsworkshops“ online statt.

Es bleibt auch festzuhalten, dass das Thema sexuelle Gesundheit bei der Projektstudie „Regenbogenhaus“ Stuttgart bis heute keine Berücksichtigung mehr findet. Die Fragestellungen der Online-Umfrage haben es auch unmöglich gemacht, einen deutlichen Bedarf hierzu zu artikulieren. Als Fazit des Zwischenberichtes zur Projektstudie „Regenbogenhaus“ Stuttgart stand allerdings Ende April diesen Jahres schon Folgendes fest: „Es ist davon auszugehen, dass die Befassung mit diesen Fragestellungen weitere zwei Jahre hauptamtliche Expertise benötigen wird. Die Projektmittel für die Studie sollten deshalb auch für den Haushalt 2022/2023 zur Verfügung stehen, um die Konkretisierung des Projekts ´Ein Regenbogenhaus für Stuttgart´ weiterverfolgen und personell über die Studie hinaus federführend begleiten zu können.“ Was man so hört, wurden für die im Herbst anstehenden Haushaltsberatungen nun Ende Juli weitere 230.000 EUR bei der Landeshauptstadt für die Machbarkeitsstudie „Regenbogenhaus“ Stuttgart beantragt. Sollte diesem Antrag entsprochen werden, werden also über 300.000 EUR Steuermittel ausgegeben worden sein, ohne dass ein Stein am „Regenbogenhaus“ verbaut worden wäre. Und ob dann tatsächlich eine Studie vorliegt, die verschiedene Standorte, Kooperationen mit anderen Nutzern, die nötige Verkehrsanbindung, Variationen eines Raumkonzeptes, denkbare Finanzierungs- und Rechtsformen usw. beschreibt, dürfte so nicht zu garantieren sein.

Aus Sicht der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. gefährden die verantwortlichen Akteurinnen und Akteure derzeit mit der geschilderten Vorgehensweise die Realisierung eines „Regenbogenhauses“ für Stuttgart. Zu nennen wären: als Projektleitung Philine Pastenaci sowie Maria Flendt und Joachim Stein als die beiden honorierten Mitglieder der Steuerungsgruppe, die unterstützende Abteilung Chancengleichheit von Frauen und Männern der Landeshauptstadt Stuttgart sowie auch die in der Steuerungsgruppe vertretenen Organisationen wie Fetz Frauenberatung e.V., IG CSD Stuttgart e.V., LSVD Baden-Württemberg e.V., Mission trans*, Projekt 100% MENSCH gUG und der Weissenburg e.V.

Über die Gründe für die geschilderte Entwicklung ließe sich trefflich spekulieren. Erhellend könnte sein, dass alle im vorigen Abschnitt genannten Organisationen und auch die Abteilung Chancengleichheit von Frauen und Männern der Landeshauptstadt Stuttgart ebenfalls für den Doppelhaushalt 2020/2021 städtische Mittel – entweder erstmalig oder zusätzlich zur bisherigen Förderung – erhalten haben, die aktuell verstetigt bzw. sogar noch vermehrt werden sollen.

Bedenklich erscheint auch der von den Verantwortlichen für die Konzeptionierung eines „Regenbogenhauses“ aus den Ergebnissen der Online-Umfrage ins Gespräch gebrachte allfällige Widerspruch von Sichtbarkeit und Schutzraum. Natürlich muss gerade ein „Regenbogenhaus“ den LSBTTIQ-Menschen Schutz vor Anfeindungen und Gewalt garantieren. Es wäre aber absurd, wenn ein „Regenbogenhaus“ kein offenes Haus wäre. Das Bedürfnis nach Sicherheit darf nicht zu Lasten der Sichtbarkeit gehen – auch wenn man sich dann eher in die Karten schauen lassen muss.

Wir von der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. werden uns weiterhin engagiert für ein Stuttgarter „Regenbogenhaus“ einsetzen! Priorität haben aus Perspektive der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. der Gesundheitsschutz und der damit einhergehende Anspruch nach Vielfalt und Transparenz!


Bei Fragen steht gern zur Verfügung:

  • Franz Kibler M.A., Sozial- und Verhaltenswissenschaftler (Univ.), Geschäftsführer, AIDS-Hilfe Stuttgart e.V., Johannesstr. 19, 70176 Stuttgart, E-Mail: franz.kibler@aidshilfe-stuttgart.de, Tel.: 0711/22 46 9-27.

(Stand August 2021)