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HIV-Prävention und Betreuung von Menschen mit HIV/AIDS im Gefängnis

AIDS geht alle an! – auch und gerade die Insassen von Gefängnissen. Der geschlossene Justizvollzug gehört zu den nahezu HIV-präventionsfreien Orten, obwohl unter den Gefangenen weit mehr HIV-Infizierte sind als im Bevölkerungsdurchschnitt. Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. geht von einem Prozent aus – 25-mal mehr als draußen.

Von der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. werden Menschen mit HIV/AIDS in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stuttgart-Stammheim betreut. Die Beratungsgespräche werden begleitet von den Mitarbeitenden des Krankenreviers, die die Bedarfsfälle an Beratung kennen. Ferner arbeiten wir mit dem Sozialen Dienst der JVA sowie mit der evangelischen und katholischen Seelsorge zusammen, die uns Hinweise auf dringenden Beratungsbedarf geben. Drei bis fünf Personen nehmen pro Besuch in Stammheim Beratungsgespräche in Anspruch. Ergänzend hierzu werden HIV-Informations- und Präventionsveranstaltungen in der Justizvollzugsanstalt Stammheim durchgeführt.

Wer im Gefängnis HIV-Prävention machen will, begibt sich in eine schwierige Gemengelage, denn im Knast gelten eigene Gesetze. HIV-Prävention gilt beispielsweise als schwul. Sich im Knast als Schwuler zu outen geht fast gar nicht. Wer dort Gefühle zeigt, entblößt sich.

Hinzu kommt, dass eine hohe Zahl der Inhaftierten – Insider sprechen von bis zu 50 % – illegale Drogen konsumiert. Der gemeinsame Spritzengebrauch verstärkt das Risiko von HIV-Infektionen. Laut Berichten einer Medizinerin teilen sich in manchen deutschen Gefängnissen bis zu zehn Gefangene ein Spritzbesteck.

Die AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. sorgt für HIV-Infomaterial und Kondome für die Inhaftierten. Gummis gibt es zwar auch ganz offiziell, aber danach zu fragen, ist für viele Gefangene eine zu hohe Hürde.

Wer im Gefängnis HIV-Prävention betreiben will, ist auf die gute Zusammenarbeit mit der Justiz angewiesen. Zwar ist die Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen “Draußen” und “Drinnen” gesetzlich vorgeschrieben, doch wäre im Zweifelsfall der Hinweis auf die Sicherheit ein Totschlagargument für alle Initiativen.

Und die medizinische Versorgung? Die nötigen HIV-Medikamente werden verschrieben. Klar ist aber auch, dass es vollzugsbedingt deutliche Abstriche gegenüber einer Behandlung “Draußen” gibt. Dies betrifft beispielsweise die freie Arztwahl oder die Reglementierung des Zugangs zum Arzt.

Befragung der AIDS-Hilfen zu Angeboten in Haft 2008 durch die Deutsche AIDS-Hilfe e.V.

Weitere Auskünfte zur Gefangenenarbeit der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. erteilt gerne:

  • Alfons Stetter, Dipl.-Theologe, AIDS-Hilfe Stuttgart e.V., Telefon: 0711/22 46 9 – 14, Präsenzzeit in der Geschäftsstelle: Donnerstag 14.00 Uhr – 16.00 Uhr, E-Mail: alfons.stetter@aidshilfe-stuttgart.de.